Traditionelle Chinesische Medizin bei Endometriose & Adenomyose

Unterleibsschmerzen, ob zyklisch oder dauerhaft, sind ein Hauptsymptom der Endometriose. Um diesem Symptom zu begegnen, hat sich die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als hilfreich erwiesen. Wir freuen uns sehr, dass sich Dr. med. Ute Giuliani, Fachärztin für Innere Medizin & Absolventin des Masterstudiengangs ‚Traditionelle Chinesische Medizin‘ an der TU München, Zeit für ein Interview mit uns zum Thema ‚TCM bei Endometriose & Adenomyose‘ genommen hat.

Dr. med. Ute Giuliani, Privatpraxis Rembold, Rinck-Pfister, Giuliani, Münchner Straße 44, 85221 Dachau, Tel.: 08131-87343.

Dr. med. Ute Giuliani erklärt, aus welchen Säulen sich die TCM, als komplementärmedizinisches Behandlungsverfahren zusammensetzt, welches Verständnis die TCM vom Krankheitsbild Endometriose hat und ob sich die TCM mit anderen Behandlungsverfahren, sowohl schulmedizinisch als auch naturheilkundlich/komplementärmedizinisch, verbinden lässt. Weiter gibt Sie wertvolle Tipps, wie Betroffene TCM selbst anwenden können.

Welche Verfahren finden im Rahmen der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Anwendung?

Akupunktur und traditionelle chinesische Kräuterrezepturen (zum Beispiel als Tee, aber auch als Granulate oder Kräutertabletten) werden vom TCM-Arzt angewendet/ verordnet, begleitet von Empfehlungen zur TCM-Diätetik (individuelle Ernährungstipps) und allgemeinen Empfehlungen zum „Yangsheng“ (Lebenspflege), z. B. regelmäßiger Schlaf, Bewegung etc. Zu den 3 erwähnten TCM-Säulen Akupunktur, Kräuterheilkunde und Diätetik gehören auch noch Qigong und Tuina (manuelle Therapie).

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Wie sieht eine TCM-Diagnostik aus?

Eine TCM-Diagnostik besteht aus einem ausführlichen Anamnesegespräch (bis zu einer Stunde) am Beginn der Behandlung, zudem fühlt der TCM-Arzt den Puls an beiden Handgelenken und schaut sich die Zunge des Patienten an. Mittels dieser „Werkzeuge“ erstellt der Arzt eine individuelle chinesische Diagnose, auf dem das individuelle Therapie-Konzept mit Auswahl der individuellen Akupunkturpunkte und der individuellen Kräuter-Zusammenstellung beruht.

Wie sieht die TCM die Endometriose & die Adenomyose?

Die Endometriose und Adenomyose sieht die TCM primär im Zusammenhang mit einer „schwachen Mitte“ und einer Schwäche des „Funktionskreises Niere“ (v.a. einem schwachen „Nierenfeuer“/ Yang renale). Das „Nierenfeuer“ benötigt der Körper, um genug Energie für Stoffwechselprozesse zu haben. In der „Mitte“ wird die Ernährung und äußere Einflüsse (auch geistige „Nahrung“) in „Trübes“ und „Klares“ getrennt. Das „Trübe“ wird ausgeschieden und das „Klare“ wird in stoffliche und nicht-stoffliche Energie umgewandelt und dem Körper zur Verfügung gestellt. Ist die „Mitte“ geschwächt, kann diese Klärung nicht optimal erfolgen und „Trübes“ bleibt in der Mitte liegen und wandelt sich häufig mit der Zeit zu „pituita“ Schleim. Die Endometriose mit Zysten sieht die TCM u.a. im Zusammenhang mit pituita. Auch allgemeine Energie-Blockaden z. B. im Rahmen von „Stress“ spielen eine Rolle in der Entstehung der Endometriose und Adenomyose.

Wie lässt sich die Endometriose bzw. Adenomyose mit TCM behandeln?

Die Endometriose/ Adenomyose lassen sich mittels chinesischer Kräuter, Akupunktur, Diätetik-Tipps und Moxabustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten mittels abgebranntem Beifußkraut) erfolgreich behandeln. Schmerzen sieht die TCM u.a. im Zusammenhang mit Energie-Blockaden, die sich beispielsweise mit Wärme wie durch die Moxabustion lösen lassen.

Ist es immer notwendig, alle Verfahren der TCM anzuwenden?

Die Auswahl der Verfahren der TCM richtet sich ganz nach den Wünschen der Patientin. Die Kombination von chinesischen Kräuterrezepturen mit Akupunktur ist jedoch wirkungsvoller als die Anwendung nur eines einzelnen Verfahrens.

Kann man Schulmedizin und TCM gleichzeitig anwenden?

Die beiden Therapieverfahren lassen sich bedenkenlos kombinieren.

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Kann die TCM-Behandlung beispielsweise mit der Mikronährstofftherapie (die gezielte Supplementierung von Vitaminen & Mineralstoffen) verbunden werden?

Die TCM kann sehr gut mit Orthomolekularmedizin verbunden werden. Auf Wunsch der Patientin können sogar während der Akupunktur Infusionen mit Mikronährstoffen erfolgen.

Welche Therapieverfahren der TCM können Betroffene selbst anwenden?

Die Betroffenen können die Moxabustion an ausgewählten Akupunkturpunkten selbst anwenden. (Anm. d. Red.: Moxabustion, auch als Moxa-Therapie oder Moxen bezeichnet, dient der Erwärmung von Akupunkturpunkten mit brennendem Beifußkraut. Es soll Zuständen von energetischer Kälte & Leere entgegenwirken. Individuell geeignete Akupunkturpunkte, für die Moxa-Therapie, erklärt der TCM-Therapeut.) Mittels „raucharmer Moxa-Zigarren“ werden die Akupunkturpunkte/Leitbahnen durch die Patientin/ihren Partner mit Abstand zur Haut in kleinen kreisenden Bewegungen oder nur „schwebend“ an einem Punkt erwärmt. Qigong aber auch Yoga (z. B. Fruchtbarkeitsyoga) oder andere Entspannungsübungen kann die Patientin anwenden. Tuina (Anm. d. Red. Tuina ist eine chinesisches Massageform) oder Fruchtbarkeitsmassage sind ebenfalls zu empfehlen. Ernährungstipps (Anm. d. Red. Eine Quelle, die wir z. B. selber nutzen, ist www.ernaehrungsberatung-wien.at. Hier ein Artikel über Nahrungsmittel für die Niere nach TCM) zur Stützung der Mitte und des Funktionskreis Niere kann die Betroffene umsetzen, aber auch allgemeine Tipps zur Lebenspflege („Yangsheng“) wie regelmäßige Bewegung an der frischen Luft etc. liegt in der Eigenverantwortung der Patientinnen.

Ist die TCM ein Behandlungsverfahren, das kurzzeitig angewendet wird (z. B. über 3 Monate) oder begleitet es die Betroffenen über einen längeren Zeitraum bzw. immer wieder?

Die TCM sollte mindestens 3 Monate angewendet werden, bei Kinderwunsch ist die TCM-Behandlung jedoch häufig langfristiger. Optimal sind Akupunktursitzungen initial alle 1-2 Wochen. Während dieser Arztkontakte wird anhand der Kurzanamnese, des Pulses und der Zunge auch die Kräuterbehandlung optimiert und an die dynamische, aktuelle Situation der Patientin angepasst.

Ist die TCM eine Leistung, die von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wird? Mit welchen Kosten müssen die Patientinnen rechnen?

Die TCM wird aktuell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Kosten variieren vom Behandler und sind vor dem Start der TCM-Behandlung zu erfragen. Transparenz schätze ich hier hoch ein, da die Patientinnen wissen müssen, auf welche Kosten sie sich einzustellen haben. Beispielsweise belaufen sich die Kosten einer TCM-Erstanamnese auf ca. 90 Euro, gefolgt von Akupunktur-Sitzungen a 20-46 Euro. Kräuterrezepturen liegen bei Dekokten (Tees) meist um 30-40Euro pro Woche, bei Granulaten und Kräutertabletten sind die Kosten niedriger. Bei hohen Kosten kann man Kräutertees auch beispielsweise im Wechsel mit Kräutertabletten verordnen.

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