Gratis Tampons für alle – Interview mit Pheline Huber
Periodenarmut, oder Period Poverty beschreibt den Umstand, dass Periodenprodukte wie Tampons, Binden, Periodenunterwäsche, etc. eine finanzielle Belastung darstellen. Laut der repräsentativen Umfrage ‚Menstruation im Fokus‘ von Plan International berichten 23% der menstruierenden Menschen in Deutschland, dass die monatlichen Ausgaben für Periodenprodukte eine finanzielle Belastung darstellen. Bei den 16- bis 25-Jährigen ist der Anteil besonders hoch. Fast 75% dieser Altersgruppe geben an, dass sie mehr Periodenprodukte kaufen würden, wenn sie günstiger wären. Etwa 10% gaben sogar an, bewusst seltener Tampon oder Binden zu wechseln, um länger mit dem vorhandenen Produkten auszukommen – das kann ein gesundheitliches Risiko darstellen!
Das TSS (toxisches Schocksyndrom), auch bekannt als ‚Tamponkrankheit‘, ist eine plötzlich auftretende und lebensbedrohliche Komplikation infolge einer bakteriellen Infektion. Das Risiko für das TSS steigt, wenn Periodenprodukte, neben Tampons auch z.B. Menstruationstassen, nicht regelmäßig gewechselt werden.

Menorrhagie – ein erhöhter Bedarf an Periodenprodukten
Ein Symptom, das sowohl bei Endometriose, Adenomyose als auch bei Myomen auftreten kann ist Menorrhagie.
Menorrhagie beschreibt eine zu starke und zu lange andauernde Menstruation. Zu starke, zu lang andauernde Menstruationen bedeutet zwangsläufig einen erhöhten Bedarf an Periodenprodukten. Dieser Mehrverbrauch an Periodenprodukten wird für Betroffene besonders kritisch, wenn die Ausgaben für Tampon, Binde und Co. bereits eine finanzielle Belastung darstellen.
Pheline Huber von LYFE.ads ist mit einem großen Ziel angetreten – free tampons for everyone!

Liebe Pheline, glaubst du, dass das Bewusstsein für Periodenarmut in Gesellschaft & Politik angekommen ist?
Pheline Huber: Ich wünschte man könnte die Frage schon mit einem klaren JA beantworten, aber traurigerweise stelle ich in all meinen Gesprächen aktuell fest, dass die wenigsten überhaupt schon einmal das Wort Periodenarmut gehört haben. Deswegen ist aus meiner Sicht das Bewusstsein für das Thema Periodenarmut in Deutschland leider noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Politisch wird zum Glück immer wieder darüber diskutiert und es gibt viele gute Ansätze, aber auch hier glaube ich nicht, dass wir es noch miterleben werden, das seitens der Politik eine Veränderung stattfinden wird.
Wie trägt dein Unternehmen LYFE.ads dazu bei, dass das Bewusstsein für Periodenarmut wächst und vor allem wie trägt LYFE.ads aktiv dazu bei, Periodenarmut zu begegnen, die Situation von Betroffenen zu verbessern?
Pheline Huber: Mit LYFE.ads stelle ich an den unterschiedlichsten Orten Tamponsspender inkl. gratis Tampons zur verfügung. Egal ob Café, Fitnessstudio, Bar, etc. es geht darum, gratis Tampons an die Orte des alltäglichen Lebens zu bringen. Wir achten dabei insbesondere darauf, viele Standorte auszusuchen, in denen junge Menschen aktiv sind, da diese besonders häufig unter Periodenarmut leiden. Viele Frauen sind von Periodenarmut betroffen, sprechen aber nicht darüber. Deswegen haben sie die Möglichkeit bei all unseren Standorten sich einfach und diskret Tampons mitzunehmen. Leider können wir aktuell nur Tampons anbieten, langfristig wollen wir dieses System aber auch noch auf Binden ausweiten. Das besondere bei unserem Konzept: Die Tampons wird durch Werbung finanziert. Marken bekommen eine innovative und sehr neue Werbefläche zur Verfügung gestellt, was den kostenlosen Zugang zu Tampons sichert. Um aber auch Frauen zu helfen, die kein Geld für Fitnessstudios haben, sich keinen Kaffee leisten können und auch kein Geld haben um in einer Bar etwas trinken zu gehen, spenden wir einen Teil unserer Einnahmen (0,09 €/Schachtel) an das Frauenobdach „Karla51“. Umso größer LYFE.ads wird, umso mehr Werbeflächen wir verkaufen können, umso mehr können wir gemeinsam etwas gegen Periodenarmut tun.

Viele Endometriose-Betroffene können keine Tampons verwenden – wird es von LYFE.ads auch andere kostenlose Hygieneprodukte wie zum Beispiel Binden geben?
Pheline Huber: 100% – Das wird der nächste Entwicklungsschritt. Aktuell sind wir nur leider noch zu klein, um das umzusetzen. Zukünftig wird es aber definitiv Binden und auch noch die ein oder anderen anderen Produkte geben, die durch Werbemittel finanziert werden geben.
Nenne 3 Hot-Spots für deine Tamponspender – deine absoluten Wunschplätze für kostenlose Tampons.
Pheline Huber:
- Die Schwimmbäder der SWM in München.
- Die Züge der Deutschen Bahn – ich glaube jede Frau saß schonmal im Zug und hat der Toilette gesessen und festgestellt, dass das Tampon gewechselt werden sollte.
- Wellnesshotels – hier kann ich mich nicht konkret auf eine Hotelkette festlegen, weil ich tatsächlich einfach alle super finden würde. 🙂
